Elke Mischling
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Geboren 18.08.1959 in Eisenstadt, lebt und arbeitet in Neufeld/L.
Ausbildung von 1974-1979 an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt/Wien, Fach Graphik und Design mit Meisterklasse.
1979-1981 Ausstellungen erster Werke in Neufeld, Neusiedl und der Cselleymühle.
Arbeit als Werbegraphikerin in diversen Agenturen.
1981 Beginn der Lehrtätigkeit am BG/BRG Eisenstadt, währenddessen Gaststudium bei
Prof. Weibel an der Hochschule für Angewandte Kunst/Wien.
1986-1994 selbständige Werbegraphikerin.
2004 Rückkehr zur freien Kunst.
2017 Präsidentin des eu-art-network.

 

 

Exhibtions & Works

 

2017 Das Gelb & das Grün“ Galerie art Kapella,Schkeuditz, BRD
"Fürchtet euch nicht..-Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst“
17. Symposium eu-art-network, Cselleymühle Oslip
Einzelaustellung"bittersüß" -Austellung im OHO - Offenes Haus Oberwart
"Blaues Gold" -Wasser in der Kunst, Burgenländische Landesgalerie Eisenstadt
2016 Einzelausstellung "Daham", KUZ Neufeld/L
2016 "Das Beste an der Welt ist die Vielfalt", Projektraum, Landesgalerie Burgenland
2015 Förderpreis für bildende Kunst 2015, Burgenland
2015 Einzelausstellung, "Schneiderei", Leithaprodersdorf
2014-2017 Dauerausstellung "Kardinal Gula & die anderen 6, Daueraustellung Kirche St. Salvator, Wien
2013 "re-culture 2" Internationales Visual Festival, Patras, Griechenland
2012 "LIDLOS LIDLESS", virtuelle Galerie von Anne-Katrin Altwein
"Fünf von Sieben", Tapetenwerk, Leipzig,BRD
"Lebenslust", Kunst im Öffentlichen Raum, Handelsakademie Eisenstadt
"Gegen den Strich",Galerie Kunstreich, Bad Tatzmannsdorf
"FAcES", Landesgalerie Eisenstadt
2011 "Weihnachtsausstellung" Infeld, Haus der Kultur, Halbturn
"Dreaming Europe - Real Europe" Forum Kunst und Architektur, Essen
"Geld - Macht - Gier", Symposium eu-art-network Cselleymühle Oslip
"Isa und Etelka", Literaturhaus Mattersburg
2009 "Lust", Lange Nacht der Museen Orangerie, Eisenstadt
2008 "Da Krampal & da Nikolo" Vinarte, St.Margarethen
"Lücke im Käfig" Im Esterhazy, Eisenstadt
2007 "Frauen-Macht-Erotik" X-Art Festival, Landesgalerie Eisenstadt
2005 "Akte", KUZ Neufeld/L.
1981 Cselleymühle Oslip
1980 Gerbgrubn Neusiedl/See
1979 KUZ Neufeld/L.

 

Symposien

 

2017 "Fürchtet euch nicht..-Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst“
Symposium eu-art-network, Cselleymühle Oslip
2011 "Geld - Macht - Gier", Symposium eu-art-network Cselleymühle Oslip

 

Angewandte Arbeiten im öffentlichen Raum

 

2009 "Kunst am Bau" Designhotel "Der Reisinger", Neufeldersee
2006 Cafe / Konditorei "May" Neufeld/L

 

 

zur Ausstellung im OHO


Hätte diese Veranstaltung vor zwei-, dreitausend Jahren stattgefunden, hätte ich Ihnen meine Worte aus dem Gedächtnis vorge- wahrscheinlich sungen (Gott sei Dank leben wir im Heute). Ich hätte Mnemotechniken gebraucht – Tricks, um das Gedächtnis zum stützen – und hätte mich dabei auf poetische Strukturen verlassen: auf Reim, Rhythmus, Satzmelodie, auf kleine Brüche im Muster, an die ich mich gerade der Brüche wegen erinnert hätte. Ich wäre vorgegangen wie Elke Mischling in ihren elfenbeinumrissenen Arbeiten: ich hätte für mich und in mir eine Ordnung geschaffen, um mich an das zu erinnern, was ich singen, was ich erzählen will. Wir Menschen sind eben Sprachtiere- und noch dazu sitzt unsere Sprache zuerst lautlich organisiert im Hirn; erst dann folgen, auf den Klang drauf, Schichten von Bedeutung und Konzepten. Unsere Wörter, unsere erstarrten Metaphern, unsere Hauptwortballungen geben uns den Takt vor: BITTERSÜß sagen wir, nicht etwa SÜßBITTER. Süß kommt am Schluss, so wollen wir, dass es endet, es, wir und das Wort; zumindest im Wunsch, ganz nach Udo Jürgens: dass der Herrgott den Weg in den Himmel ihr bahne...aber bitte mit- süß. Da wollten wir aber das Bittere im Gleichsagen erledigt haben; aber lang ist das Wort, ruht sich aus auf dem satten Doppel-T und füllt seine Masse hin, wo es kann, es rollt Gold von der Frau, die kopfüber auf ihrem surrealen hochgekehrten Fensterbrett sitzt, es füllt einen Raum, in dem der ausgewachsene Embryo einer Frau schwebt, und stockt. Und manchmal schwappt die Bitternis über – in Elfenbein. Sie greift um sich. Das Süße verhält sich wie Splitter, wie ein Nachwort, eine winzige Öffnung, ein Trotzdem: eine Erinnerung, wie der Span in der Fingerkuppe ans Holzmachen erinnert. Etwa wie in „Nummer !=!“, im Frühlingssturmblut“, deckendes Mattweiß: Bitterüberzug über einer Farblichkeit, die Splittern, in Erinnerungen, süß aus dem Leinwandwinter ragen: da geht’s um Urgewalten.Ebbe und Flut und die Frage, ob der Stein noch aus dem Wasser ragen wird, wenn es steigt, die Frage, ob der Sturm kommen, das Eis irgendwann knacken wird und wir atmen werden. Elke Mischling hat konsequent gearbeitet: da wird nichts knacken, der Moment ist tiefgefroren. Aber danken an diesen Moment, das dürfen wir. Schimmern, das darf der Moment. Aber unkenntlich gemacht ist das Farbmotiv dort, wo der Kitsch sein Medusenhaupt hebt aus dem Schlamm unserer innigsten Träume: schön verborgen hinter dem weißen Furor sind Frühling und Blumen. Trotzdem sieht mein inneres Kind und mein Auge, das ich fast 38 Jahre lang mit mir herumtrage und das ich ist, in mancher Elfenbein-Farbsplitter-Anordnung eine Schreibtisch von oben, ein locker gefülltes Bücherregal, eine Freude, das er schummelt sich mein daraufhin trainiertes, konnotiertes, assoziiertes Hirn: ja, mein Gott, Resignation steht da- aber auch Absolution und Revolution: Worte durch den Schleier. Anderes wirkt wie Augenschlitze, die Nummer 143: jeder Versuch, ein schmerzhaft-schönes Seeufer wie das Neusiedlerische auf einem Blick zu greifen, kann nur im Schrei der Vergeblichkeit enden, deswegen, gnädig, dürfen wir durch Elfenbeinschlitze, durch Schauscharten blickwerfen, ABER da drängt sich schon wieder von außen und rundherum etwas heran- das Große Weiß. Bei einem befreundeten russischen Künstler hab ich gelernt und sehen gelernt, dass Weiß den Tod meint (gut, hier ist das Weiß zumindest ein paar Schattierungen ins Leben hineingedunkelt)- dem Fischschwarm, das weiß ich, hat Elke nachgeholfen durch Augen, Form holen, Leben holen heraus aus diesem Schmelzweiß, dem Hitzeweiß, dem auffressenden Weiß, dem Schleier. Wie ist dann das Dunkle zu deuten? die Nachtblickbilder? Als Leben? Ein Gesicht, das in der Nichtfarbe Schwarz als Blau verborgen ist – ein Zwilling des Grabtuchs von Turin, das Schweißtuchs von Veronika, ein Schweben zwischen da und dort, hineingehängt zwischen oben und unten, zwischen die Wände eines Budapester Innenhofs, bänderumweht, gespannt in einem Rahmen, aus dem eine beutelnde, kitzelnde, haltende Hand wächst; windiges Pfeifen, klatschendes Flattern, abwartende Stille. Ruhe vor dem Sturm im Überwintern. Und wenn sie kein geübter Kunstanschauer sind und sich fragen, wie Sie schauen sollen, damit Ihnen die Bilder etwas erzählen, dann kommt hier ein Vorschlag: borgen Sie sich ein Auge aus in Nr. 102 und singen Sie durch seine Lider.

Katharina Tiwald, Juni 2017

 

 

ueber Elke Mischling


ZU ELKE MISCHLINGS SERIE „FOKUSSIERUNGEN“ Es war einmal ein Bild. Ein im besten Sinn des Wortes „schönes“ Bild. Ein Menschenbild, ein Blumenbild, ein Tierbild, eine Darstellung einer Landschaft oder manchmal auch eine Komposition aus Formen und Farben. Die figurativen oder auch abstrakten Bilder, die Elke Mischling seit 2015 malt, aber bleiben nicht immer das, was sie waren. Ihre endgültige Ausformung und ihr Erscheinungsbild gewinnen die Werke aus der Reihe „Fokussierungen“ erst, indem die Künstlerin die ursprünglichen Bilder übermalt. Übermalungen sind in der bildenden Kunst nichts Außergewöhnliches. Da gab und gibt es den Vorgang des „Pentimento“, zu Deutsch „Reue(strich)“, den alte Meister vornahmen, um nachträglich Korrekturen anzubringen. In der zeitgenössischen Kunst werden Übermalungen meist großflächig als radikales und negierendes Stilmittel eingesetzt. So interpretieren Kunsthistoriker die düsteren Übermalungen des Arnulf Rainer als „Kampf gegen das akademische Dogma der gegenstandslosen Kunst in den 1960er Jahren“ oder auch als „völligen Neubeginn durch Auslöschung des Bildes.“  Malerei selbstquälerisch zerstören zu wollen, ist nicht Triebfeder für Elke Mischlings „Fokussierungen“. Anliegen der Künstlerin ist vielmehr, ihren „schönen“ Bildern durch Übermalen eine neue Qualität zu geben, ohne die ursprüngliche zu verleugnen. Dies geschieht in einem eher lust-, denn qualvollen Malprozess und nicht mit finsterem Schwarz wie bei Arnulf Rainer, sondern mit einem freundlichen Farbton, den auch Bräute schätzen, die weder in einem strahlendweißen noch in einem cremefarbigen Kleid heiraten wollen und daher zu Elfenbein greifen. Wenn Elfenbein und das ursprüngliche Bild in Elke Mischlings Malerei eine (nicht mehr auflösbare) Ehe eingehen, dann beruht diese Verbindung auf einem Vorgang, den jeder Fotograf/jede Fotografin kennt: auf einem Scharfstellen, einem Fokussieren. Der Bildhintergrund wird unscharf, was im Fokus steht, tritt vorher. Das Objektiv, bzw. die Linse, die die Künstlerin für ihre malerischen Fokussierungen verwendet, aber ist kein technisches Gerät. Es sind vielmehr vom ursprünglichen Bild ausgehende Sinneseindrücke, die über ihre Augen in ihren Kopf und ihre Seele wandern. Vielleicht mit ein Grund, weshalb die Künstlerin immer wieder auf Augen fokussiert. In Elke Mischlings Bilderehen geht es meist nicht auf gleicher Augenhöhe zu. In vielen Fällen übernimmt Elfenbein die Oberhand und lässt das anfängliche Motiv nur mehr erahnen. Außenstehenden BetrachterInnen gibt das wiederum reizvolle Rätsel auf: Es soll und darf darüber spekuliert werden, wie das ursprüngliche Bild ausgesehen hat. In jedem Fall entsteht durch die Übermalung ein drittes, eigenständiges Werk mit einer eigenen Ästhetik und einem neuen Kontext. Siehe zum Beispiel das Bild „DNA“ aus 2015. Die Fokussierung ergab ein Muster, das die Künstlerin mit der Struktur der Desoxyribonukleinsäure assoziierte und zum Bildtitel „DNA“ führte. Was allen Bildern der Serie „Fokussierungen“, aber auch allen weiteren Werken Elke Mischlings zu eigen ist: Kunst kommt hier nicht nur von „Können“, sondern auch von „Müssen“. Mischling gibt sich mit „schönen“ Bildern nicht zufrieden, sondern muss ihre ursprüngliche Malerei, gleich nachdem sie fertig ist, zu einem Neuen weiterführen. Und es ist dieser Impetus, weshalb Elke Mischlings bildnerisches Schaffen das Prädikat „Kunst“ verdient. Übrigens: „Pentimento“ kommt manchmal auch in ihren „Fokussierungen“ vor. Dann allerdings nicht um Fehlerhaftes zu kaschieren und zu korrigieren, also aus Reue, sondern ausschließlich um die Details, die im Fokus stehen, noch schärfer zu akzentuieren.

Sabine Kritsch-Schmall, Juli 2016